Der Moment der alles ausgelöst hat
Manchmal wünsche ich mir, dass ich für einen Tag mit meinem Mann tauschen könnte. Nicht weil sein Tag einfacher ist. Sondern weil er abends auf das Bad schaut und sieht was er geschafft hat. Ich schaue auf meinen Tag – und sehe nichts. Obwohl ich alles gehalten habe.
Dieses Gefühl kennen viele Mamas. Und ich glaube es ist Zeit darüber zu reden.
Wenn der Samstag kein Wochenende ist
Wir stecken noch mitten in der Hausrenovierung. Die Samstage gehören oft meinem Mann – er arbeitet am Bad im oberen Stock. Ich will dass es fertig wird. Ich freue mich darauf es endlich nutzen zu können. Aber ich weiß auch jedes Mal was dieser Samstag für mich bedeutet. Einen Tag zusätzlich in der Woche an dem ich kein Wochenende habe. An dem sich meine Woche einfach nur länger anfühlt.
Was viele nicht sehen: damit mein Mann diesen Samstag überhaupt arbeiten kann, läuft im Hintergrund ein unsichtbares System. Eins das ich in der Woche davor bereits geplant und vorbereitet habe.
Die unsichtbare Arbeit die niemand sieht
Alles was mein Mann am Bad macht sieht man sofort. Jeden Schritt, jeden Fortschritt. Was ich in der gleichen Zeit abpuffere, plane und manage sieht niemand. Niemand sieht die Wutanfälle die ich begleite und wie viel Energie es mich kostet ruhig zu bleiben. Wie viele Snacks und Mahlzeiten ich zubereite. Wie viel Organisation im Hintergrund läuft damit dieser Tag funktioniert.
Das ist Mental Load. Die unsichtbare Planung, Organisation und das Management das hauptsächlich bei Mamas hängenbleibt. Es sind nicht die großen Dinge – es sind die tausend kleinen Gedanken die ständig mitlaufen. Was gibt es heute zu essen? Wann braucht das Kind einen Snack? Wie halte ich die Situation ruhig damit mein Mann konzentriert arbeiten kann?
Mental Load ist erschöpfend – nicht weil die einzelnen Aufgaben so schwer sind, sondern weil sie nie aufhören. Kein Feierabend, kein sichtbares Ergebnis.
Dankbarkeit und Erschöpfung schließen sich nicht aus
Und damit das klar ist: ich bin unendlich dankbar dass mein Mann das macht. Ich weiß wie viel Kraft es ihn kostet nach einer vollen Arbeitswoche noch einen zusätzlichen Tag zu arbeiten. Darum geht es nicht. Niemand würde ihm absprechen dass er viel geleistet hat.
Uns Mamas aber schon.
Denn unsere Arbeit sieht man nicht. Und das Verrückte daran: ich spreche sie mir selbst ab. Ich frage mich am Ende des Tages – so viel hab ich doch gar nicht gemacht. Doch hab ich. Ich hab viel gehalten, organisiert und begleitet. Das ist auch Arbeit. Auch wenn niemand es sieht.
Dankbarkeit und Erschöpfung können gleichzeitig existieren. Ich kann dankbar für meinen Mann sein und gleichzeitig erschöpft von meiner unsichtbaren Arbeit. Beides ist wahr. Beides darf sein.
Das schlechte Gewissen das niemand sieht
Oft fühle ich mich undankbar. Weil ich diese Samstage hasse. Weil ich mich danach sehne endlich mal ein ganzes Wochenende nur als Familie zu haben. Ohne Baustelle, ohne Renovierung, ohne dass einer von uns arbeitet.
Und dann kommt der Sonntag. Ich bin komplett am Ende. Keine Geduld mehr mit meinem Kind. Ich ziehe mich zurück und brauche Zeit für mich. Mein Mann gibt mir diese Zeit – zum Glück. Denn er sieht was mich diese Samstage kosten.
Aber gleichzeitig sitzt das schlechte Gewissen. Gegenüber meinem Kind dass ich mich zurückziehe. Und gegenüber meinem Mann – dass ich ihm nach einer langen Woche noch mehr auflaste.
Das ist die doppelte Last von Mental Load. Nicht nur die unsichtbare Arbeit selbst. Sondern auch das schlechte Gewissen das entsteht wenn man an seine eigenen Grenzen stößt. Als berufstätige Mama darf man das ja eigentlich nicht – erschöpft sein, Grenzen haben, mal nicht funktionieren.
Doch. Man darf.
Faire Aufgabenteilung beginnt mit Sichtbarkeit
Das Problem bei Mental Load und fairer Aufgabenteilung ist nicht immer böser Wille. Oft ist es schlicht Unsichtbarkeit. Was mein Mann nicht sieht kann er nicht wertschätzen und auch nicht übernehmen.
Der erste Schritt zu einer faireren Aufgabenteilung in unserer Familie war genau das: sichtbar machen was ich tue. Nicht als Vorwurf – sondern als Information. Erst als mein Mann wirklich verstanden hat was im Hintergrund alles läuft, konnte er anfangen mehr davon zu übernehmen.
Als berufstätige Mama ist das besonders herausfordernd. Du jonglierst Job, Haushalt, Kind und Partnerschaft – und trotzdem fühlt es sich manchmal an als würdest du nichts leisten weil man es nicht sieht.
Du bist nicht alleine
Wenn du dich in diesem Text erkennst – du bist nicht alleine. Mental Load ist real. Er ist erschöpfend. Und er verdient gesehen zu werden.
Wir arbeiten als Team. Ich darf das genauso anstrengend finden wie mein Mann. Und ich darf aufhören meine eigene Arbeit kleinzureden – nur weil man sie nicht sieht.
Denn am Ende des Tages habe ich viel gehalten, organisiert und begleitet. Ohne diese unsichtbare Arbeit würde das alles nicht funktionieren.
Das zählt. Auch wenn man es nicht sieht.
